Predigt über Matthäus 11,25-30

Liebe Glaubensgeschwister!

Es ist wieder einmal Sonntag. Es ist der wöchentliche Ruhetag. Es ist der Tag, der Christinnen und Christen zum Gottesdienst versammelt. Es ist ein Ort der Ruhe, der Besinnung und der inneren Einkehr. Es ist Gott-Begegnung heute wie damals als die Jüngerinnen und Jünger gemeinsam mit Jesus es erleben durften.

Jesus sehe ich inmitten seiner Jüngerinnen und Jünger versammelt zu einem Gottesdienst. Jesus ist der Liturge, der mit einem Lobpreis an Gott beginnt. Jesus spricht ein Glaubensbekenntnis, das alle um ihn herum miteinbezieht. Seine Geschichte mit Gott ist eine gemeinsame Geschichte.

Ja, es gefällt Gott, so betet Jesus, sich zu offenbaren. Sich in ihm zu offenbaren. Und zwar unabhängig vom Wissensstand und Bildung, einfach als Mensch den Menschen zugewandt zeigt sich Gott. Faszinierend!

Gottesdienst ist Beisammensein und Eins-Sein mit dem in Jesus sichtbar gewordenen Gott. Damals wie heute. Gottesdienst ist Eingeladen-Sein und Kraft-schöpfen, ist Ausruhen mit Leib und Seele. Tut unendlich gut!

„Kommt alle zu mir,…Ich will euch erquicken…Ihr werdet Ruhe finden…“. Worte Jesu, die uns wohl besonders ansprechen. Worte, die ungeheuer wohltuend und verheißungsvoll klingen. Worte, die ein ganz anderes Lebensgefühl vermitteln, als wir es vielleicht kennen: Kein Zwang, ständig gefordert und oftmals überfordert zu werden, Aufgaben bewältigen zu müssen und oftmals aufgeben zu müssen. groß und stark, beliebt und bedeutend, kompetent und erfolgreich zu sein.

Kann es sein, dass wir insgeheim wirkliche Ruhe und Stille vermeiden, weil sie uns durchaus auch Angst machen kann?

Der bekannte Psychoanalytiker C.G. Jung schreibt über dieses Phänomen: „Der Lärm gibt uns ein Sicherheitsgefühl, er schützt uns vor peinlichem Nachdenken, er zerstreut ängstliche Träume… Die Stille würde den Menschen zum Nachdenken veranlassen, und es ist gar nicht auszudenken, was einem dann alles zum Bewusstsein käme. Die meisten Menschen fürchten die Stille, darum muss immer irgendetwas getan, muss gepfiffen, gesungen, gehustet oder gemurmelt werden. In der wohl nicht zu Unrecht so genannten Totenstille wird es uns unheimlich, was wir dabei aber am meisten fürchten, ist das, was aus unserem eigenen Inneren hervorkommen könnte: all das eben, was wir uns durch den Lärm vom Halse halten….“

Liebe Glaubensgeschwister,

Die Pharisäer und die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu, also die vermeintlich Klugen und Weisen, versprechen den Menschen einen Weg zu Gott, allerdings nur denen, die auch fähig sind, die Gesetze aufs genaueste einzuhalten.
Auch wir selber stehen in der Gefahr, zu solchen Weisen und Klugen zu werden, dann nämlich, wenn wir meinen, ganz genau zu wissen, wie Gott sein muss und wir es nicht zulassen, dass Gott uns in unserem Leben überraschen möchte.

Jesus selber ist die große Alternative zum religiösen Leistungsdenken. Er ist ein Freund derer, die sich abmühen und plagen, die zusammenbrechen und scheitern, und die oftmals gar nicht mehr fähig sind, irgendwas zu leisten. Er ist ein Freund der Erschöpften und Überlasteten. Jesu Botschaft lautet: „Kommt zu mir, ich schenke euch Ruhe, damit ihr in meiner Nähe wieder atmen, und eure Lasten abwerfen könnt!“

Liebe Glaubensgeschwister!

Weil Menschsein mit sich bringt, sich zu plagen und die Lasten des Alltags zu tragen, zu leiden, nicht mehr zu wollen oder auch nicht mehr zu können.

Weil Menschsein heißt, schwach zu sein oder sich schwach zu fühlen heißt Menschsein im Sinne Jesu zugleich auch immer: Auf Gott zu vertrauen, sich ganz auf ihn einzulassen, bei ihm zu sein, auszuruhen und Leib und Seele „erneuern“ zu lassen.

Gott wartet auch heute darauf mit uns Neues zu beginnen.

Wie es in dem Liedtext ausgedrückt wird und Gott es spricht:

Lege deine Sorgen nieder, Leg sie ab in meiner Hand.

Du brauchst mir nichts zu erklären, denn ich hab dich längst erkannt.

Lege sie nieder in meiner Hand.

Komm leg sie nieder, lass sie los in meiner Hand.

Lege sie nieder, lass einfach los.

Lass alles falln, nichts ist für deinen Gott zu groß.

Lege deine Ängste nieder, die Gedanken in der Nacht.

Frieden gebe ich dir wieder, Frieden hab ich dir gebracht.

Lege deine Sünde nieder, gib sie mir mit deiner Scham.

Du brauchst sie nicht länger tragen, denn ich hab für sie bezahlt.

Lege deine Zweifel nieder, dafür bin ich viel zu groß.

Hoffnung gebe ich dir wieder, lass die Zweifel einfach los.

Lege deine Sorgen nieder.

Text und Musik: Sefora Nelson© 2009 Royalheart adm. by Gerth Medien, Asslar