Predigt von Pfarrer Handler zu Johannes 20,19-23

Der Evangelist Johannes beschreibt den Abend des ersten Tages der Woche als den Beginn der ersten Woche ohne Jesus: Alle zusammen saßen hinter verschlossenen Türen, gefangen in ihrer Angst und Furcht.

Die Bilder der letzten Woche saßen noch fest in den Köpfen der Jüngerinnen und Jünger. So grauenhaft waren diese Tage gewesen, dass ihnen nichts geblieben war als sich zusammenzutun. Verschlossen die Türen und abgeschnitten vom Leben sind sie am Abend dieses ersten Tages der Woche beisammen.

Die Nachrichten von der Auferstehung Jesu hatten sie zwar erreicht, aber noch viel mehr verunsichert als getröstet. Wie ausgelöscht war alle Erinnerung an das, was Er ihnen über Seinen Tod und Seine Auferstehung gesagt hatte.

Da geschieht etwas völlig Ungeahntes, etwas das nie und nimmer vorstellbar gewesen wäre: Es ist der Abend des ersten Tages der Woche und genau an diesem Abend schreibt Johannes, dass Ostern und Pfingsten gleichzeitig Wirklichkeit werden.

„Am Abend des ersten Tages der Woche … kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“

Jesus selbst tritt ein, durch verschlossene Türen mitten hinein in die Angst und Furcht seiner Jüngerinnen und Jünger. Jesus kommt und mit ihm sein Frieden, den er ihnen mitbringt. Seine Gegenwart möchte Angst und Furcht vertreiben und zunichte machen.

Es geschieht das Wunder von Ostern: Jesus gibt sich zu erkennen als der Gekreuzigte und Auferstandene. Seine Gegenwart löst Angst und Furcht und lässt die Freude spürbar werden, als die Jüngerinnen und Jünger ihn sehen.

Es geschieht das Wunder von Pfingsten: Gott schafft durch die Gegenwart Jesu, des Gekreuzigten und Auferstandenen, aus dem Nichts etwas Neues. Da die Jüngerinnen und Jünger nichts mehr wagten, ist die Leere in ihnen nun der Raum, den Jesus füllen will. Jeus schenkt den Geist, der Leben schafft, in dem immer noch Angst und Furcht herrschen, aber von jetzt an nicht mehr das letzte Wort haben.

Das ist die Erfahrung, die die Jüngerinnen und Jünger hinter verschlossenen Türen machen: Jesus stärkt sie durch seine Gegenwart. Und er bekräftigt seine Worte mit einer zeichenhaften Handlung: Jesus haucht sie an. Er „inspiriert“ und „beatmet“ sie mit neuem Leben, mit dem Heiligen Geist.

Das Neue ersteht aus diesem Nichts, wird zum Auftrag und der Sendung in alle Welt. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“

Ostern und Pfingsten an einem Tag: Es ist der heutige Tag und es waren immer schon alle Tage unseres Lebens. Seit unserer Taufe gilt, dass Sein Geist unser Leben verwandelt. Und seither erinnert uns jeder Atemzug an diese innige Beziehung, an die Liebe Gottes, die uns am Leben hält und uns andauernd neu inspiriert und „beatmet“. Amen.

Franz Handler, Pfarrer